Hannover atmet auf, Heidenheim lässt Punkte liegen, St. Pauli rettet sich zu zehnt: Das war der Zweitliga-Sonntag
Der Sonntag des 6. Spieltags hatte drei völlig unterschiedliche Geschichten zu bieten. Hannover gewann nach turbulenten Tagen endlich wieder, Heidenheim verpasste trotz klarer Chancenüberlegenheit den nächsten Dreier und St. Pauli rettete in Cottbus mit zehn Mann noch einen Punkt.
Drei Spiele, drei unterschiedliche Verläufe und vor allem drei interessante Erkenntnisse darüber, wo diese Mannschaften aktuell stehen.
Hannover 2:1 Bochum: Ein Sieg zur richtigen Zeit
Bei Hannover 96 waren die Tage vor dem Heimspiel gegen Bochum alles andere als ruhig. Christian Titz musste gehen, Sandro Wagner wurde bereits als neuer Trainer angekündigt, übernahm die Mannschaft aber noch nicht. Gegen den VfL saß deshalb U23-Coach Lars Barlemann auf der Bank.
Gerade in dieser Situation war ein Erfolg enorm wichtig.
Hannover erwischte den besseren Start und ging in der 24. Minute in Führung. Stefán Teitur Thórdarson war nach einer Standardsituation zur Stelle und brachte 96 auf Kurs.
Kurz vor der Pause folgte der nächste wichtige Moment. Marcel Hartel erhöhte auf 2:0 und sorgte damit für eine komfortable Ausgangslage vor dem zweiten Durchgang.
Bochum war allerdings keineswegs chancenlos. Der VfL hatte seine Möglichkeiten, ging damit aber nicht konsequent genug um. Erst in der 77. Minute gelang Tom Meyer der Anschlusstreffer zum 2:1.
Danach wurde es für Hannover noch einmal unangenehm. Bochum drängte auf den Ausgleich und bekam in der Nachspielzeit sogar noch eine große Gelegenheit. Leo Weinkauf verhinderte jedoch mit einer starken Parade den späten Ausgleich.
Für Hannover ist dieser Sieg vor allem psychologisch wichtig. Nach vier Punkten aus den ersten fünf Spielen und dem Trainerwechsel brauchte die Mannschaft dringend ein positives Ergebnis. Genau das gelang.
Für Bochum bleibt dagegen ein bekanntes Problem bestehen. Die Mannschaft ist in vielen Spielen konkurrenzfähig, belohnt sich aber zu selten für ihre guten Phasen.
Bielefeld 2:2 Heidenheim: Der FCH verschenkt zu viel
Deutlich unzufriedener dürfte der 1. FC Heidenheim nach seinem Auftritt in Bielefeld gewesen sein.
Arminia ging bereits in der 13. Minute durch Joel Grodowski in Führung. Danach übernahm Heidenheim allerdings immer stärker die Kontrolle.
Budu Zivzivadze verwandelte in der 30. Minute einen Foulelfmeter zum 1:1. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte drehte Paul Hennrich die Partie komplett und brachte den FCH mit 2:1 in Führung.
Zur Pause hätte der Vorsprung sogar höher ausfallen können. Heidenheim hatte genügend Möglichkeiten und wirkte in dieser Phase wie die deutlich gefährlichere Mannschaft.
Genau deshalb dürfte sich das Ergebnis am Ende wie eine verpasste Gelegenheit angefühlt haben.
Bielefeld blieb im Spiel und wurde dafür belohnt. In der 55. Minute zog Felix Hagmann aus der Distanz ab. Der Ball wurde abgefälscht und landete zum 2:2 im Tor.
Danach war die Begegnung wieder komplett offen.
Für Arminia ist der Punkt wertvoll. Die Mannschaft reagierte nach einer schwierigen ersten Halbzeit und bewies erneut, dass sie zuhause unangenehm zu bespielen ist.
Heidenheim muss sich dagegen fragen, warum eine starke Phase und eine Führung nicht zum nächsten Sieg gereicht haben.
Nach drei Ligaspielen mit jeweils drei Punkten war die Chance da, sich noch näher an der Spitzengruppe festzusetzen.
Der FCH hatte das Spiel über längere Phasen in der Hand.
Er entschied es nur nicht.
Cottbus 1:1 St. Pauli: Zehn Hamburger retten einen Punkt
Die ungewöhnlichste Partie des Sonntags fand in Cottbus statt.
St. Pauli begann ordentlich, schwächte sich aber früh selbst. Tomoya Andō sah innerhalb weniger Minuten zwei Gelbe Karten und musste bereits in der 21. Minute vom Platz.
Für die Hamburger bedeutete das fast 70 Minuten in Unterzahl.
Energie übernahm danach erwartungsgemäß die Kontrolle und ging in der 37. Minute verdient in Führung. Justin Butler nutzte die Cottbuser Überlegenheit und traf zum 1:0.
Auch nach der Pause hatte Energie mehr vom Spiel. Die Gastgeber kamen zu weiteren Möglichkeiten und hatten genügend Gelegenheiten, die Partie frühzeitig zu entscheiden.
Genau das gelang aber nicht.
St. Pauli blieb geduldig und bekam in der Schlussphase seine Chance.
In der 80. Minute setzte sich Ricky-Jade Jones auf der linken Seite durch und brachte den Ball in den Strafraum. Der eingewechselte Martijn Kaars war am ersten Pfosten zur Stelle und köpfte zum 1:1 ein.
Danach drückte Cottbus noch einmal auf den Siegtreffer. Luca Erlein traf nach einer Ecke die Latte, wenig später verhinderte St.-Pauli-Torhüter Ben Voll gegen King Manu das mögliche 2:1.
Für St. Pauli ist dieser Punkt deshalb mehr wert als ein gewöhnliches Unentschieden.
Fast das gesamte Spiel in Unterzahl, auswärts zurückgelegen und trotzdem nicht verloren.
Cottbus dürfte das Ergebnis dagegen deutlich mehr ärgern. Energie hatte lange alle Vorteile auf seiner Seite, konnte den zweiten Treffer aber nicht nachlegen.
Die Ergebnisse vom Sonntag
| Spiel | Ergebnis | Torschützen |
|---|---|---|
| Hannover 96 – VfL Bochum | 2:1 | Thórdarson 24., Hartel 43. / Meyer 77. |
| Arminia Bielefeld – 1. FC Heidenheim | 2:2 | Grodowski 13., Hagmann 55. / Zivzivadze 30. (Elfmeter), Hennrich 45.+3 |
| Energie Cottbus – FC St. Pauli | 1:1 | Butler 37. / Kaars 80. |
Drei Spiele, drei unterschiedliche Gefühle
Hannover bekommt genau den Sieg, den der Verein nach einer turbulenten Woche gebraucht hat. Der Trainerwechsel verschwindet dadurch nicht aus den Schlagzeilen, aber drei Punkte schaffen zumindest etwas Ruhe.
Heidenheim dürfte dagegen eher mit dem Gefühl nach Hause fahren, zwei Punkte verschenkt zu haben. Die Mannschaft hatte nach dem Rückstand eine starke Reaktion gezeigt und das Spiel gedreht, konnte den Vorsprung aber nicht verteidigen.
St. Pauli wiederum kann das 1:1 in Cottbus fast wie einen kleinen Erfolg behandeln. So lange in Unterzahl zu spielen, einen Rückstand aufzuholen und am Ende sogar noch den Punkt zu verteidigen, spricht für die Moral der Mannschaft.
Genau deshalb war dieser Zweitliga-Sonntag interessant.
Nicht, weil jedes Spiel spektakulär war.
Sondern weil jedes dieser drei Ergebnisse etwas über den aktuellen Zustand der beteiligten Mannschaften erzählt.
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