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1. FC Nürnberg: Ist der FCN schon ein Aufstiegskandidat?

August 31, 2026 · KlausHuber
1. FC Nürnberg - Ist der FCN schon ein Aufstiegskandidat

Drei Spiele, neun Punkte, elf Tore: Wie stark ist der 1. FC Nürnberg wirklich?

Der 1. FC Nürnberg ist das Team der ersten drei Spieltage in der 2. Bundesliga. Drei Spiele, drei Siege, 11:3 Tore und Tabellenplatz eins: Die Mannschaft von Miroslav Klose hat einen Traumstart hingelegt. Doch ist der FCN tatsächlich schon ein Aufstiegskandidat oder täuschen die starken Ergebnisse über Schwächen hinweg?

Nach dem 3:0 gegen Dynamo Dresden, dem spektakulären 4:2 im Frankenderby gegen Greuther Fürth und dem 4:1 gegen Arminia Bielefeld steht Nürnberg bei der maximalen Ausbeute von neun Punkten. Einen solchen Start mit drei Siegen hatte der Club zuletzt 1999 geschafft.

Das allein macht Nürnberg noch nicht zum Aufstiegsfavoriten. Die Art und Weise, wie der FCN seine Spiele gewinnt, liefert allerdings einige Argumente dafür, dass der starke Saisonstart mehr sein könnte als nur eine Momentaufnahme.

Elf Tore – und längst nicht nur Zoma

Vor Saisonbeginn war eine der großen Fragen, wer beim FCN konstant für Tore sorgen kann.

Die erste Antwort hieß Mohamed Alì Zoma.

Der Italiener zerlegte Dynamo Dresden zum Auftakt praktisch im Alleingang und erzielte beim 3:0 alle drei Nürnberger Treffer. Gegen Bielefeld traf er erneut und steht damit bereits bei vier Saisontoren nach drei Spieltagen.

Doch gerade die vergangenen beiden Spiele zeigen, warum Nürnbergs Offensive momentan so schwer auszurechnen ist.

Beim 4:2 gegen Fürth trafen Piet Scobel zweimal und Julian Justvan zweimal. Gegen Bielefeld waren neben Zoma auch Tim Janisch und Adam Markhiyev erfolgreich, Markhiyev sogar doppelt.

Nürnbergs elf Ligatore verteilen sich damit inzwischen auf mehrere Schultern.

Das ist wichtig. Denn sollte Zoma einmal nicht treffen, besitzt Klose inzwischen offensichtlich andere Spieler, die ein Spiel entscheiden können.

Brutale Effizienz wird zur Nürnberger Waffe

Besonders auffällig ist die Konsequenz vor dem gegnerischen Tor.

Das 4:1 gegen Bielefeld war dafür das beste Beispiel. Nürnberg benötigte keine permanente Dominanz und keine Flut an Großchancen. Der Club bestrafte Fehler des Gegners stattdessen nahezu sofort.

Zur Pause stand es bereits 3:0.

Die Höhe des Ergebnisses spiegelte den Spielverlauf allerdings nur bedingt wider. Auch die Expected-Goals-Werte zeigen das: Nürnberg kam über die gesamte Partie auf 1,43 xGoals, Bielefeld auf 1,26. Trotzdem gewann der FCN mit drei Toren Unterschied.

Genau darin liegt momentan eine große Stärke – aber auch ein Grund zur Vorsicht.

Eine derart hohe Chancenverwertung lässt sich über eine komplette Saison nur schwer konstant halten. Nürnberg wird Spiele bekommen, in denen die ersten zwei oder drei Abschlüsse eben nicht im Tor landen.

Dann wird sich zeigen, wie gut diese Mannschaft wirklich ist.

Kloses Mannschaft kann inzwischen unterschiedliche Spiele gewinnen

Vielleicht ist deshalb ein anderer Aspekt sogar wichtiger als die elf Tore.

Nürnberg hat seine ersten drei Ligaspiele auf unterschiedliche Art gewonnen.

Gegen Dresden dominierte vor allem Zoma mit seiner individuellen Qualität. Im Frankenderby musste der FCN gleich zweimal einen Rückstand aufholen. Fürth führte 1:0 und 2:1, trotzdem blieb Nürnberg ruhig und drehte die Partie nach der Pause zum 4:2.

Gegen Bielefeld wiederum war es die Effizienz. Nürnberg schlug früh zu, kontrollierte anschließend die Partie und nutzte weitere Fehler konsequent.

Das spricht für eine Mannschaft, die nicht auf einen einzigen Matchplan angewiesen ist.

Klose selbst beschrieb sein Team nach dem Bielefeld-Spiel als aktuell „im Flow“, warnte aber gleichzeitig davor, aus drei erfolgreichen Spieltagen bereits zu große Schlüsse zu ziehen.

Diese Zurückhaltung ist nachvollziehbar.

Markhiyev zeigt, wie breit der FCN inzwischen aufgestellt ist

Auch personell gibt es positive Entwicklungen.

Adam Markhiyev ist dafür ein gutes Beispiel. Gegen Bielefeld erzielte der Mittelfeldspieler zwei Tore. Sein erster Treffer entstand aus einem Distanzschuss, beim zweiten nutzte er einen schnell ausgespielten Nürnberger Angriff.

Die offiziellen Match Facts führten Markhiyev außerdem als besten Nürnberger bei der Pass-Effizienz.

Daneben liefern Spieler wie Janisch, Justvan und Scobel bereits entscheidende offensive Beiträge.

Bemerkenswert ist auch das Alter der Mannschaft. Beim 3:0 gegen Dresden schickte Klose eine Startelf mit einem Durchschnittsalter von lediglich 23,1 Jahren auf den Platz.

Nürnberg kombiniert damit Entwicklungspotenzial mit sofortigen Ergebnissen.

Und Zoma bleibt in Nürnberg

Eine der wichtigsten Nachrichten des Wochenendes kam zudem abseits des eigentlichen Ergebnisses.

Der FCN erklärte Mohamed Alì Zoma für diese Transferperiode für unverkäuflich. Damit bleibt der derzeit gefährlichste Nürnberger Angreifer beim Tabellenführer.

Für die sportliche Perspektive ist das enorm wichtig.

Ein Abgang des vierfachen Torschützen kurz vor Ende des Transferfensters hätte Klose vor eine völlig neue Situation gestellt. Stattdessen kann Nürnberg mit seinem erfolgreich gestarteten Kader weiterarbeiten.

Und Zoma ist nicht nur wegen seiner Tore wichtig. Gegen Bielefeld bereitete er zusätzlich gefährliche Situationen vor und war auch an Janischs 2:0 beteiligt.

Ist Nürnberg also ein echter Aufstiegskandidat?

Nach drei Spieltagen wäre es zu früh, Nürnberg bereits zum klaren Favoriten auf den Bundesliga-Aufstieg zu erklären.

Dafür ist die Saison viel zu lang.

Es gibt außerdem Warnsignale. Die defensive Stabilität war beispielsweise beim 4:2 in Fürth nicht immer vorhanden. Gegen Bielefeld fiel das Ergebnis wesentlich deutlicher aus, als es die Chancenverteilung erwarten ließ. Und auch im DFB-Pokal benötigte der Club gegen Viktoria Köln das Elfmeterschießen, um weiterzukommen.

Trotzdem gibt es nach den ersten drei Spieltagen kaum einen Grund, Nürnberg aus der Diskussion herauszuhalten.

Neun Punkte. Elf Tore. Mehrere unterschiedliche Torschützen. Ein Zoma in Topform. Eine junge Mannschaft. Und ein Team, das sowohl dominante Spiele als auch schwierige Rückstände gewinnen kann.

Hinzu kommt die Entwicklung unter Miroslav Klose. Selbst Bielefelds Trainer Oliver Kirch hatte vor dem direkten Duell auf die positive Entwicklung der Nürnberger über die vergangenen zwei Jahre hingewiesen.

Die nächste Prüfung wartet bereits.

Am 4. Spieltag muss der Tabellenführer zu Holstein Kiel. Dort wird sich zeigen, ob Nürnberg seinen perfekten Saisonstart auch nach der ersten großen Euphoriewelle fortsetzen kann.

Nach drei Spieltagen lässt sich die Ausgangsfrage deshalb zumindest teilweise beantworten:

Ob Nürnberg am Ende tatsächlich aufsteigt, kann noch niemand seriös sagen. Aber der FCN hat sich mit diesem Start das Recht verdient, als echter Aufstiegskandidat diskutiert zu werden.