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Hertha holt Gustaf Nilsson: Darum brauchte BSC noch einen Stürmer

September 1, 2026 · KlausHuber
Hertha holt Gustaf Nilsson

Hertha holt Gustaf Nilsson: Warum der Tabellenzweite trotz Traumstart noch einen Stürmer brauchte

Drei Spiele, drei Siege und bereits zehn Tore: Eigentlich gibt es bei Hertha BSC derzeit kaum einen Grund, über Probleme in der Offensive zu sprechen. Trotzdem haben die Berliner kurz vor dem Ende der Transferperiode noch einmal nachgelegt. Gustaf Nilsson kommt vom Club Brügge und soll dem Angriff genau das Element geben, das im bisherigen Kader noch gefehlt hat.

Der Transfer ist offiziell: Gustaf Nilsson wechselt auf Leihbasis mit Kaufoption vom Club Brügge zu Hertha BSC. Der 29-jährige schwedische Mittelstürmer erhält in Berlin die Rückennummer 9.

Auf den ersten Blick wirkt der Zeitpunkt ungewöhnlich.

Hertha hat einen perfekten Saisonstart hingelegt. Nach drei Spieltagen stehen neun Punkte und 10:4 Tore zu Buche. Zuletzt drehten die Berliner bei Eintracht Braunschweig sogar einen 0:2-Rückstand und gewannen noch mit 5:3.

Warum also noch einen Mittelstürmer holen?

Die Antwort liegt weniger in der Anzahl der bisherigen Tore als in der Frage, wie Hertha in Zukunft Tore erzielen will.

Nilsson bringt ein Profil mit, das Hertha noch gesucht hat

Mit seinen 1,97 Metern ist Gustaf Nilsson zunächst einmal kaum zu übersehen.

Aber seine Verpflichtung nur auf seine Körpergröße zu reduzieren, würde zu kurz greifen.

Sportdirektor Benjamin Weber machte bei der Vorstellung deutlich, wonach Hertha gesucht hatte: einen großen Mittelstürmer mit starkem Kopfballspiel, Abschlussqualität und Erfahrung. Nach Angaben des Clubs beschäftigten sich die Berliner bereits länger mit Nilsson.

Das erklärt den Transfer wesentlich besser als die aktuelle Torstatistik.

Hertha kann bislang sehr gut über Dynamik, Umschaltmomente und individuelle Qualität gefährlich werden. Josip Brekalo, Jón Dagur Þorsteinsson oder Oluwaseun Adewumi geben dem Angriff unterschiedliche Möglichkeiten.

Nilsson bringt nun eine andere Komponente.

Er kann im Strafraum als klarer Zielspieler agieren, hohe Bälle festmachen und bei Flanken eine deutlich größere Präsenz entwickeln.

Gerade gegen tief verteidigende Mannschaften könnte das entscheidend werden.

Zehn Tore bedeuten nicht automatisch, dass der Kader komplett ist

Herthas bisherige zehn Ligatore sind beeindruckend.

Trotzdem sollte man daraus nicht automatisch ableiten, dass der Angriff bereits perfekt zusammengestellt war.

Das 5:3 in Braunschweig liefert dafür sogar ein interessantes Beispiel. Hertha zeigte enorme offensive Qualität und Moral, benötigte aber gleichzeitig eine Partie mit vielen Räumen und einem sehr offenen Spielverlauf.

Im Laufe einer Zweitliga-Saison wird Berlin ganz andere Aufgaben bekommen.

Gegner werden im Olympiastadion tief stehen, Räume schließen und Hertha dazu zwingen, selbst Lösungen gegen kompakte Defensivreihen zu entwickeln.

Genau dort kann ein klassischer Strafraumstürmer wichtig werden.

Nilsson gibt Trainer Stefan Leitl die Möglichkeit, Spiele anders anzugehen oder während einer Partie das offensive Profil zu verändern.

Hertha bekommt Erfahrung für eine junge Mannschaft

Ein weiterer Punkt ist Nilssons Erfahrung.

Der Schwede spielte bereits in mehreren europäischen Ländern und kennt auch den deutschen Fußball. Zwischen Januar 2021 und Sommer 2022 stand er beim SV Wehen Wiesbaden unter Vertrag. Dort kam er in 3. Liga und DFB-Pokal insgesamt auf 46 Pflichtspiele und 18 Tore.

Anschließend ging seine Karriere in Belgien weiter.

Über Royale Union Saint-Gilloise führte sein Weg zum Club Brügge. Nilsson sammelte dabei Erfahrung in Conference League, Europa League und Champions League. In der Königsklasse erzielte er unter anderem in der K.-o.-Phase gegen Atalanta ein entscheidendes Tor.

Auch international bringt er Erfahrung mit.

Nilsson nahm mit Schweden an der WM 2026 teil und kam dort gegen Frankreich zum Einsatz. Insgesamt stehen bislang elf Länderspiele und vier Tore für Schweden in seiner Bilanz.

Für eine Mannschaft, die den Aufstieg ins Visier nimmt, kann diese Erfahrung wertvoll werden.

Nilsson kennt den deutschen Fußball bereits

Auch die Eingewöhnungszeit könnte geringer ausfallen als bei einem Spieler, der erstmals nach Deutschland kommt.

Nilsson kennt nicht nur den deutschen Fußball aus seiner Wiesbadener Zeit. Er hat sogar bereits Erfahrungen mit Herthas nächstem Gegner gesammelt.

Gegen den 1. FC Magdeburg spielte der Schwede während seiner Zeit bei Wehen Wiesbaden dreimal und erzielte dabei zwei Tore.

Das macht seinen Einstieg besonders interessant.

Hertha empfängt Magdeburg am kommenden vierten Spieltag im Olympiastadion.

Ob Nilsson sofort eine Rolle spielen kann, bleibt abzuwarten. Sein Profil bietet Leitl aber bereits eine zusätzliche taktische Option.

Mehr Konkurrenz im Hertha-Angriff

Mit Nilsson verändert sich zwangsläufig auch die Hierarchie im Sturm.

Im aktuellen Profikader wird neben dem Schweden unter anderem Luca Schuler als Angreifer geführt. Dazu verfügt Leitl über mehrere offensiv einsetzbare Spieler wie Brekalo, Þorsteinsson, Adewumi oder Farid Alfa-Ruprecht.

Nilsson kommt allerdings nicht als Perspektivspieler.

Er ist 29 Jahre alt, besitzt internationale Erfahrung und erhält die klassische Rückennummer 9.

Alles deutet darauf hin, dass Hertha mit ihm eine sofort einsetzbare Alternative für das Sturmzentrum wollte.

Damit steigt auch der Konkurrenzkampf.

Für Leitl ist das ein angenehmes Problem: Er kann künftig stärker danach entscheiden, welchen Stürmertyp ein bestimmter Gegner verlangt.

Der Transfer zeigt Herthas Ambitionen

Vielleicht ist genau das die interessanteste Botschaft hinter diesem Transfer.

Hertha hätte nach dem perfekten Start auch sagen können: Der Kader funktioniert, wir verändern nichts mehr.

Stattdessen wurde eine noch vorhandene Lücke identifiziert und kurz vor Ende des Transferfensters geschlossen.

Nilsson selbst macht aus dem langfristigen Ziel keinen Hehl. Nach seinem Wechsel sagte der Schwede, dass Hertha seiner Ansicht nach irgendwann wieder in die Bundesliga zurückkehren müsse. Er wolle mit seiner Erfahrung helfen, im Strafraum präsent sein und Tore erzielen.

Nach drei Spieltagen sollte daraus noch keine Aufstiegsprognose gemacht werden.

Aber die Ausgangslage ist bemerkenswert.

Hertha hat neun von neun möglichen Punkten geholt, zehn Tore erzielt – und den Kader trotzdem noch einmal mit einem erfahrenen Mittelstürmer verstärkt.

Nilsson muss deshalb nicht kommen, weil Herthas Offensive bislang schlecht funktioniert.

Er kommt, weil die Berliner offenbar dafür sorgen wollen, dass sie auch dann funktioniert, wenn die Spiele schwieriger werden als in den ersten drei Wochen.

Genau deshalb ergibt der Transfer trotz des Traumstarts Sinn.