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Heidenheim kann auch 1:0: Warum der FCH jetzt oben mitmischt

September 13, 2026 · KlausHuber
1. FC Heidenheim gegen Holstein Kiel nach dem dritten Ligasieg in Folge

Vom Spektakel-Team zur Ergebnis-Maschine: Heidenheim kann plötzlich auch 1:0

Noch vor wenigen Wochen schien beim 1. FC Heidenheim jedes Spiel zwangsläufig in ein Torfestival zu führen. 4:3 gegen Osnabrück, 1:4 bei Hertha, 5:3 gegen Dresden, dazu das 2:5-Pokal-Aus in Jeddeloh. Der FCH war unterhaltsam, aber defensiv kaum zu kontrollieren. Jetzt hat sich das Bild komplett gedreht. Nach dem 1:0 in Fürth gewinnt Heidenheim auch gegen Holstein Kiel mit 1:0 und feiert damit den dritten Ligasieg in Serie. Plötzlich sieht die Mannschaft von Frank Schmidt nicht mehr wie das wildeste Team der Liga aus, sondern wie ein ernsthafter Aufstiegskandidat.

Heidenheim gewinnt genau das Spiel, das früher gefährlich geworden wäre

Das 1:0 gegen Kiel war kein Spektakel.

In der ersten Halbzeit fehlte beiden Mannschaften Tempo und Kreativität. Kiel verteidigte konzentriert, Heidenheim fand nur selten klare Räume. Die besten Möglichkeiten hatten Ikem Ugoh auf Kieler Seite und Niklas Heule für den FCH. Zur Pause stand es folgerichtig 0:0.

Gerade solche Spiele können für ambitionierte Mannschaften unangenehm werden.

Der Favorit hat mehr Ball, findet aber keine Lösung. Der Gegner wird mit jeder Minute mutiger. Die Geduld nimmt ab und irgendwann entsteht aus einem einzigen Konter plötzlich ein Rückstand.

Heidenheim ließ sich diesmal nicht in diese Falle ziehen.

Frank Schmidt veränderte zur Pause seine Mannschaft und brachte Christian Conteh sowie Mikkel Kaufmann. Sofort bekam das Spiel mehr Tempo und Tiefe.

Das war der erste entscheidende Unterschied.

Conteh verändert das Spiel sofort

Nach Wiederbeginn dauerte es kaum zwei Minuten, bis Heidenheim deutlich gefährlicher wurde.

Conteh bereitete zunächst eine Großchance für Alessandro Vogt vor. Kurz darauf lief der eingewechselte Offensivspieler selbst alleine auf Timon Weiner zu, scheiterte jedoch am Kieler Torhüter.

Heidenheim erhöhte den Druck immer weiter.

Marcel Costly vergab frei vor Weiner. Vogt scheiterte erneut aus kurzer Distanz. Conteh schoss knapp vorbei.

Der FCH hätte längst führen müssen.

Dass es trotzdem bis zur 83. Minute 0:0 stand, war fast schon das Bemerkenswerteste an diesem Spiel.

Vor einigen Wochen hätte genau diese fehlende Effizienz vielleicht dazu geführt, dass Heidenheim nervös wird, die Ordnung verliert und sich selbst ein Gegentor einfängt.

Diesmal blieb die Mannschaft geduldig.

Schmidt sagte nach dem Spiel, sein Team habe nach der Pause bewusst „mehr Tempo, mehr Tiefe und auch mehr Risiko“ gesucht. Entscheidend sei aber gewesen, dass Heidenheim trotz der vergebenen Chancen nicht den Kopf verloren habe.

Kiel schwächt sich selbst

Für Holstein Kiel wurde die Aufgabe ab der 50. Minute noch schwieriger.

Jonas Therkelsen traf Vogt bei einem Schussversuch am Schlüsselbein und sah dafür Gelb-Rot. Kiel musste damit fast die gesamte zweite Halbzeit in Unterzahl spielen.

Danach wurde die Partie immer einseitiger.

Kiel verteidigte tief, Weiner hielt seine Mannschaft mehrfach im Spiel und Heidenheim rannte an.

Trotzdem verdient Holstein für diese Phase Respekt.

Die Mannschaft von Tim Walter brach nicht auseinander. Sie verteidigte kompakt und hielt das 0:0 erstaunlich lange.

Aber irgendwann wurde der Druck zu groß.

Ein Verteidiger entscheidet das Spiel

Die Entscheidung fiel schließlich nicht durch einen der vielen Heidenheimer Offensivspieler.

Sie fiel nach einem Standard.

In der 83. Minute verlängerte Kaufmann eine Ecke am ersten Pfosten. Am langen Pfosten stand Jonas Föhrenbach frei und köpfte aus kurzer Distanz zum 1:0 ein.

Es war kein spektakulärer Treffer.

Aber vielleicht passt genau das perfekt zum neuen Heidenheim.

Vor einigen Wochen gewann diese Mannschaft Spiele 4:3 oder 5:3.

Jetzt reicht ein Verteidiger nach einer Ecke.

Und plötzlich stehen wieder drei Punkte auf dem Konto.

Zwei Spiele, zwei 1:0-Siege, zwei komplett neue Heidenheimer Eigenschaften

Das Interessanteste ist nicht einmal der dritte Sieg in Folge.

Es ist die Art der letzten beiden Erfolge.

Nach dem 1:0 bei Greuther Fürth gewinnt Heidenheim nun erneut 1:0.

Zweimal zu null.

Das wirkt fast absurd, wenn man an die ersten Wochen zurückdenkt.

In den ersten vier Pflichtspielen der Saison kassierte Heidenheim insgesamt 15 Gegentore. Das Pokal-Aus beim Regionalligisten Jeddeloh war dabei der Tiefpunkt.

Seitdem?

Drei Ligasiege in Folge.

Die letzten beiden ohne Gegentor.

Das ist eine Entwicklung, die für den weiteren Saisonverlauf wichtiger sein könnte als jedes 5:3.

Denn ein Bundesliga-Absteiger, der offensiv gefährlich ist und gleichzeitig lernt, enge Spiele zu kontrollieren, wird automatisch zu einem Kandidaten für die oberen Plätze.

Heidenheim ist plötzlich Dritter

Mit dem Sieg gegen Kiel steht der FCH jetzt bei zwölf Punkten aus fünf Spielen und ist Tabellendritter.

Vor Heidenheim liegen nur Hertha BSC und der 1. FC Nürnberg.

Das bedeutet noch längst nicht, dass der direkte Wiederaufstieg bereits realistisch geplant werden kann.

Aber die Richtung ist eindeutig.

Die Mannschaft hat nach der Pokal-Blamage nicht den Kopf verloren.

Sie hat ihre Defensive stabilisiert.

Sie gewinnt enge Spiele.

Und sie besitzt weiterhin genügend offensive Qualität, um auch spektakulär zu spielen, wenn es notwendig wird.

Frank Schmidt wollte nach dem Sieg trotzdem nichts von Euphorie wissen. Seine Botschaft lautete sinngemäß: auf dem Boden bleiben.

Das passt.

Denn genau diese Bodenständigkeit scheint Heidenheim gerade stärker zu machen.

Für Kiel wird die Lage dagegen ernst

Auf der anderen Seite bleibt Holstein Kiel nach fünf Spieltagen ohne Sieg.

Drei Punkte reichen aktuell nur für den letzten Tabellenplatz. Kiel ist damit das einzige Team der 2. Bundesliga, das noch kein Ligaspiel gewonnen hat.

Dabei war die Leistung in Heidenheim nicht komplett schlecht.

Kiel verteidigte lange diszipliniert und hatte selbst in Unterzahl kurz vor Schluss sogar noch eine riesige Gelegenheit: Phil Harres köpfte in der Nachspielzeit aus kurzer Distanz neben das Tor.

Genau darin liegt aber das Problem.

Kiel spielt phasenweise ordentlich.

Gegen Nürnberg holte die Mannschaft zuletzt ein 2:2.

In Heidenheim hielt sie fast 83 Minuten die Null.

Aber irgendwann müssen daraus Siege werden.

Nach fünf Spieltagen wartet Holstein noch immer auf den ersten.

Heidenheim hat seine wichtigste Frage vorerst beantwortet

Vor wenigen Tagen war die große Frage noch:

Kann Heidenheim eigentlich auch langweilige Spiele gewinnen?

Jetzt kennen wir die Antwort.

Ja.

Und zwar zweimal hintereinander.

Das 1:0 gegen Kiel wird am Saisonende wahrscheinlich nicht zu den Spielen gehören, an die sich jeder erinnert.

Aber für Frank Schmidt könnte es eines der wichtigsten sein.

Denn Heidenheim hat inzwischen etwas bewiesen, das ein Aufstiegskandidat unbedingt braucht:

Die Mannschaft muss nicht jedes Wochenende vier oder fünf Tore schießen, um drei Punkte zu holen.

Manchmal reicht ein Standard in der 83. Minute.

Und genau solche Siege machen aus einem unterhaltsamen Team irgendwann eine erfolgreiche Mannschaft.