Von 0:3 zu 4:4: Warum Energie Cottbus in Wolfsburg ein echtes Zweitliga-Statement setzt
Nach 34 Minuten schien die Partie bereits entschieden. Der VfL Wolfsburg führte gegen Energie Cottbus mit 3:0 und alles deutete auf den nächsten souveränen Sieg des Aufstiegsfavoriten hin. Doch dann begann eines der verrücktesten Comebacks der bisherigen Saison. Cottbus kam auf 3:3 zurück, kassierte erneut das 3:4 und rettete sich in der Nachspielzeit ein zweites Mal. Das 4:4 erzählt deshalb vor allem eine Geschichte: Dieser Aufsteiger gibt sich nicht auf.
Wolfsburg brauchte nur 34 Minuten für drei Tore
Eigentlich begann alles so, wie man es vor dem Spiel erwarten konnte.
Wolfsburg war ungeschlagen in den vierten Spieltag gegangen und hatte eine Woche zuvor beim 5:2 in Karlsruhe seine enorme offensive Qualität gezeigt.
Gegen Cottbus dauerte es nur wenige Minuten bis zur Führung.
Robert Glatzel traf bereits in der 4. Minute, ehe Vinicius Souza in der 25. Minute auf 2:0 erhöhte. Als Glatzel nach 34 Minuten seinen zweiten Treffer erzielte, stand es 3:0.
Der Unterschied schien deutlich.
Wolfsburg hatte Kontrolle, Qualität und Effizienz. Cottbus wirkte auf dem Weg zur dritten Niederlage hintereinander.
Doch kurz vor der Pause veränderte sich die Partie.
Ein Tor verändert plötzlich alles
Luca Erlein erzielte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte das 1:3.
Zunächst sah es lediglich nach Ergebniskosmetik aus.
Nach der Pause dauerte es allerdings keine fünf Minuten, bis Energie erneut zuschlug. King Manu traf in der 49. Minute zum 2:3.
Plötzlich war aus einem scheinbar entschiedenen Spiel wieder ein echtes Duell geworden.
Und Cottbus machte weiter.
In der 67. Minute bekam der Aufsteiger einen Elfmeter. Tolcay Ciğerci verwandelte zum 3:3.
Innerhalb von etwas mehr als 20 Spielminuten hatte Energie aus einem 0:3 ein 3:3 gemacht.
Ausgerechnet in Wolfsburg.
Gegen eine Mannschaft, die mit dem Anspruch in die Saison gegangen ist, möglichst schnell wieder in die Bundesliga zurückzukehren.
Das vielleicht Beeindruckendste kam erst danach
Ein normales Comeback hätte hier enden können.
Cottbus hatte drei Tore aufgeholt, einen Punkt in Reichweite und bereits eine enorme Reaktion gezeigt.
Doch Wolfsburg schlug zurück.
Der eingewechselte Mattias Svanberg traf in der 79. Minute zum 4:3.
Für Energie war das möglicherweise der härteste Moment des gesamten Spiels.
Man kämpft sich von 0:3 zurück, investiert enorm viel Energie und steht zehn Minuten vor Schluss trotzdem wieder mit leeren Händen da.
Genau hier bekam die Partie aber ihre eigentliche Geschichte.
Cottbus akzeptierte auch diesen Rückstand nicht.
Wolfsburg verlor in der 88. Minute Mathys Angély mit Gelb-Rot. Energie warf noch einmal alles nach vorne.
Und in der 90.+1 Minute traf Dmytro Bohdanov zum 4:4.
Cottbus hatte an einem Nachmittag nicht nur drei Tore Rückstand aufgeholt.
Die Mannschaft war zweimal zurückgekommen.
Cottbus hat ein Problem – aber auch eine außergewöhnliche Stärke
Die ersten vier Spieltage zeigen bei Energie inzwischen ein ziemlich klares Muster.
Cottbus hat zehn Tore erzielt, aber zwölf kassiert. Nach vier Partien steht der Aufsteiger bei vier Punkten.
Die Defensive bleibt damit das große Problem.
Schon gegen Greuther Fürth hatte Energie sieben Tore in einem Spiel erlebt und 3:4 verloren. Jetzt folgten acht Tore in Wolfsburg.
Aber offensiv zeigt der Aufsteiger gleichzeitig etwas, das für den Kampf um den Klassenerhalt enorm wertvoll sein kann.
Cottbus hat keine Angst vor dieser Liga.
Die Mannschaft gewann zum Auftakt 3:1 gegen Hannover. Gegen Fürth erzielte sie drei Tore. Und nun gelangen auswärts beim Bundesliga-Absteiger Wolfsburg sogar vier.
Das ist bemerkenswert für einen Klub, der nach zwölf Jahren Abwesenheit gerade erst in die 2. Bundesliga zurückgekehrt ist.
Die Frage lautet deshalb nicht, ob Cottbus offensiv in dieser Liga mithalten kann.
Das kann Energie offensichtlich.
Die entscheidende Frage für die nächsten Wochen wird sein, ob Claus-Dieter Wollitz auch die Defensive stabilisieren kann.
Und Wolfsburg? Acht Gegentore in zwei Spielen sind ein Warnsignal
Für Wolfsburg fühlt sich das 4:4 dagegen fast wie eine Niederlage an.
Nach vier Minuten geführt. Nach 25 Minuten 2:0. Nach 34 Minuten 3:0.
Ein Team mit Aufstiegsambitionen muss eine solche Partie normalerweise kontrollieren.
Stattdessen kassierte der VfL innerhalb von 22 Minuten drei Gegentore.
Und selbst nachdem Svanberg Wolfsburg wieder in Führung gebracht hatte, reichte es nicht zum Sieg.
Besonders auffällig ist die Entwicklung der vergangenen beiden Spiele.
Beim 5:2 in Karlsruhe zeigte Wolfsburg seine offensive Klasse, ließ aber bereits zwei Gegentore zu. Nun folgten vier weitere gegen Cottbus.
Das bedeutet:
Neun eigene Tore in zwei Spielen – aber sechs Gegentore.
Spektakulär ist das ohne Zweifel.
Für einen Aufstiegskandidaten ist es aber keine besonders nachhaltige Formel.
Vielleicht ist Cottbus genau das, was diese 2. Bundesliga braucht
Das 4:4 wird in erster Linie wegen seiner acht Tore in Erinnerung bleiben.
Interessanter ist aber, was dahinter steckt.
Wolfsburg besitzt vielleicht einen der stärksten Kader der Liga und führte nach gut einer halben Stunde 3:0.
Cottbus hätte dieses Spiel abhaken können.
Stattdessen traf der Aufsteiger viermal und nahm einen Punkt aus der Volkswagen Arena mit.
Nach vier Spieltagen ist Energie noch weit davon entfernt, ein sorgenfreies Zweitliga-Team zu sein. Zwölf Gegentore sprechen eine deutliche Sprache.
Aber eines hat Cottbus bereits bewiesen:
Wer Energie in dieser Saison für geschlagen hält, sollte besser bis zum Schlusspfiff warten.
VfL Wolfsburg – Energie Cottbus 4:4 (3:1)
Tore: Robert Glatzel (4., 34.), Vinicius Souza (25.), Mattias Svanberg (79.) – Luca Erlein (45.+4), King Manu (49.), Tolcay Ciğerci (67./Elfmeter), Dmytro Bohdanov (90.+1).


