Vom Spektakel zum Statement: Warum Cottbus in Karlsruhe plötzlich wie ein etabliertes Zweitliga-Team wirkte
Energie Cottbus kann offenbar mehr als wilde Spiele. Nach 3:4 gegen Fürth und 4:4 in Wolfsburg gewann der Aufsteiger beim Karlsruher SC überraschend deutlich mit 3:0. Entscheidend war dabei nicht nur die offensive Qualität. Zum ersten Mal in dieser Saison blieb Cottbus ohne Gegentor, kontrollierte die zweite Halbzeit und bestrafte nahezu jeden größeren Karlsruher Fehler. Genau deshalb fühlt sich dieser Sieg wie mehr an als nur drei Punkte.
Cottbus wartet geduldig auf den richtigen Moment
Die erste Halbzeit war deutlich ausgeglichener, als das Endergebnis vermuten lässt.
Beide Mannschaften spielten mit hohem Tempo und kamen regelmäßig zu Abschlüssen. Karlsruhe fand immer wieder Räume hinter der offensiven Cottbuser Pressinglinie. Shio Fukuda hatte dabei die größte Möglichkeit: Sein Abschluss wurde noch leicht abgefälscht, Torhüter Marcel Lotka bekam die Fingerspitzen an den Ball und lenkte ihn an die Latte.
Auf der anderen Seite musste auch KSC-Keeper Hans Christian Bernat mehrfach eingreifen.
Cottbus war also keineswegs drei Tore besser.
Aber Cottbus war konsequenter.
Kurz vor der Pause verlor Noel Eichinger den Ball im Mittelfeld. Energie schaltete sofort um. Lukas Michelbrink eröffnete den Angriff, Lucas Copado nahm ihn mit und spielte den Ball clever zurück. Michelbrink vollendete in der Nachspielzeit zum 1:0.
Es war genau die Art von Szene, die über enge Zweitligaspiele entscheidet.
Ein Fehler.
Ein schneller Umschaltmoment.
Ein Tor.
Karlsruhe kommt besser raus, Cottbus trifft
Nach der Pause versuchte der KSC sofort zu reagieren.
Die Gastgeber erhöhten das Tempo und drückten Cottbus tiefer in die eigene Hälfte. Louey Ben Farhat kam nach einem starken Angriff gefährlich zum Abschluss, doch Tim Erlein klärte im letzten Moment.
Karlsruhe wirkte für einige Minuten so, als könne der Ausgleich nur eine Frage der Zeit sein.
Dann traf Cottbus.
Dominik Pelivan war erst zur Pause eingewechselt worden. In der 55. Minute bekam er den Ball an der Strafraumkante, täuschte mehrfach an und schob präzise zum 2:0 ein.
Das war wahrscheinlich der entscheidende Moment des Spiels.
Denn Karlsruhe hatte gerade seine beste Phase.
Statt des 1:1 fiel das 0:2.
Für einen Aufsteiger ist genau diese Fähigkeit enorm wertvoll: Druck des Gegners überstehen und anschließend selbst zuschlagen.
Karlsruhes Fehler werden brutal bestraft
Spätestens beim dritten Treffer wurde deutlich, warum Cottbus diesen Nachmittag so souverän beenden konnte.
Christoph Kobald verlor den Ball direkt vor dem eigenen Strafraum. Der gerade eingewechselte Moritz Hannemann reagierte sofort und legte quer. Der Ball landete schließlich bei Justin Butler, der zum 3:0 abschloss.
Drei Tore, aber vor allem drei Situationen, in denen Energie wacher, schneller und konsequenter war.
Danach hätte das Ergebnis sogar noch höher ausfallen können.
Christian Kinsombi traf kurz nach seiner Einwechslung den Pfosten. Tolcay Ciğerci versuchte es später sogar aus rund 50 Metern, nachdem er gesehen hatte, dass Bernat weit vor seinem Tor stand.
Karlsruhe dagegen verlor nach dem 0:2 zunehmend die Kontrolle.
Zum ersten Mal muss Cottbus kein Torfestival gewinnen
Genau hier liegt die eigentlich interessante Geschichte.
Vor diesem Spiel hatte Cottbus bereits zehn Tore erzielt.
Aber auch zwölf kassiert.
3:1 gegen Hannover.
0:3 gegen Bielefeld.
3:4 gegen Fürth.
4:4 in Wolfsburg.
Energie-Spiele waren bisher fast automatisch Spektakel.
In Karlsruhe zeigte die Mannschaft von Claus-Dieter Wollitz zum ersten Mal eine andere Seite.
25 Abschlüsse.
Drei Tore.
Und vor allem:
kein Gegentor.
Es war das erste Zu-null-Spiel der Saison. Wollitz zeigte sich anschließend entsprechend „vollumfänglich zufrieden“. Besonders wichtig war ihm, dass seine Mannschaft auch nach der Führung weiter nach vorne spielte und nicht nur versuchte, das Ergebnis zu verwalten.
Das ist für einen Aufsteiger vielleicht die wichtigste Entwicklung.
Tore schießen konnte Cottbus schon vorher.
Jetzt hat die Mannschaft erstmals bewiesen, dass sie ein Spiel auch kontrolliert zu Ende bringen kann.
Sieben Punkte und plötzlich Platz sieben
Mit dem zweiten Saisonsieg steht Cottbus nun bei sieben Punkten aus fünf Spielen und rückt auf Rang sieben vor.
Für einen Aufsteiger ist das ein bemerkenswerter Start.
Noch wichtiger als die Tabellenposition ist allerdings die Art, wie Energie diese Punkte holt.
Die Mannschaft versteckt sich nicht.
Sie presst hoch.
Sie spielt nach Ballgewinnen sofort nach vorne.
Und selbst auswärts in Karlsruhe hat sie nach dem 2:0 nicht begonnen, nur noch zu verteidigen.
Das macht Cottbus momentan unangenehm.
Vielleicht sogar unangenehmer, als viele Gegner vor Saisonbeginn erwartet haben.
Karlsruhe bekommt dagegen ein Effizienzproblem
Für den KSC ist das 0:3 besonders bitter, weil die Leistung lange nicht nach einer klaren Niederlage aussah.
Karlsruhe hatte Chancen.
Karlsruhe traf die Latte.
Karlsruhe hatte direkt nach der Pause eine starke Phase.
Aber im eigenen Strafraum und bei Ballverlusten war Cottbus konsequenter.
Der KSC bleibt dadurch bei fünf Punkten und fällt auf Rang zwölf zurück.
Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie brutal die 2. Bundesliga sein kann.
Man muss nicht 90 Minuten schlechter sein, um 0:3 zu verlieren.
Manchmal reichen drei schlecht verteidigte Momente.
Cottbus ist mehr als nur der wilde Aufsteiger
Nach fünf Spieltagen beginnt sich deshalb eine interessante Frage zu stellen.
Ist Energie Cottbus wirklich nur die mutige Mannschaft, deren Spiele viele Tore produzieren?
Oder kann daraus mehr entstehen?
Das 3:0 in Karlsruhe liefert erstmals Argumente für die zweite Antwort.
Cottbus hat auswärts gewonnen.
Cottbus hat zu null gespielt.
Cottbus hat einen Gegner bestraft, ohne selbst die Kontrolle zu verlieren.
Für einen Aufsteiger ist das vielleicht wichtiger als das nächste 4:4.
Denn Spektakel sorgt für Aufmerksamkeit.
Kontrolle sorgt für Punkte.
Und genau davon hat Energie Cottbus nach fünf Spieltagen bereits sieben.


