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Darmstadt lebt wieder: Warum der erste Sieg so wichtig ist

September 11, 2026 · KlausHuber
SV Darmstadt 98 im Böllenfalltor nach dem ersten Saisonsieg gegen Arminia Bielefeld

Darmstadt lebt wieder: Warum dieser erste Sieg wichtiger ist als nur drei Punkte

Der SV Darmstadt 98 hat endlich gewonnen. Nach vier sieglosen Spielen, drei Niederlagen in Folge und zuletzt drei Partien ohne eigenes Tor besiegten die Lilien Arminia Bielefeld mit 2:1. Ho-Jae Lee traf bei seinem Startelfdebüt bereits in der dritten Minute, Milan Smit verwandelte in der 86. Minute den entscheidenden Handelfmeter. Schön war der Abend nicht immer. Gerade deshalb könnte dieser Sieg für Darmstadt besonders wichtig werden.

Darmstadt brauchte keinen perfekten Abend

Vor dem fünften Spieltag ging es am Böllenfalltor längst nicht mehr nur um die Tabelle.

Darmstadt hatte aus den ersten vier Spielen lediglich einen Punkt geholt. Nach dem 2:2 zum Auftakt gegen Holstein Kiel folgten Niederlagen gegen Dresden, Hannover und Kaiserslautern. In diesen drei Spielen erzielten die Lilien kein einziges Tor.

Trainer Florian Kohfeldt sprach selbst von einer der schwierigsten Phasen seiner bisherigen Darmstädter Zeit. Ein weiterer Rückschlag hätte die Diskussionen rund um Mannschaft und Trainer deutlich verschärft.

Deshalb war gegen Bielefeld nicht entscheidend, wie Darmstadt gewann.

Darmstadt musste überhaupt wieder gewinnen.

Und genau das gelang.

Lee braucht drei Minuten für das erste Signal

Kohfeldt veränderte seine Offensive und gab Ho-Jae Lee erstmals einen Platz in der Startelf.

Die Entscheidung zahlte sich fast sofort aus.

Nach einem Fehler im Bielefelder Aufbau kam Noah Weißhaupt an den Ball und bediente Lee im Zentrum. Der Südkoreaner musste nur noch einschieben.

3. Minute, 1:0.

Es war Lees zweites Saisontor. Schon beim 2:2 gegen Kiel hatte der Sommer-Neuzugang nach seiner Einwechslung getroffen. Nun brauchte er bei seinem ersten Start von Beginn an nur wenige Minuten.

Für Darmstadt war dieser Treffer mehr als nur die Führung.

Nach drei kompletten Ligaspielen ohne eigenes Tor brauchte die Mannschaft dringend das Gefühl, dass ein Angriff wieder zu etwas führen kann.

Plötzlich war das Stadion da.

Plötzlich führte Darmstadt.

Und plötzlich musste nicht mehr jeder Fehler wie der Beginn der nächsten Niederlage wirken.

Das alte Problem verschwindet trotzdem nicht

Wer nur auf das Ergebnis schaut, könnte von einem klassischen Befreiungsschlag sprechen.

So einfach war es allerdings nicht.

Nach der frühen Führung zog sich Darmstadt immer weiter zurück. Bielefeld bekam mehr Ballbesitz und übernahm zunehmend die Kontrolle über die Partie.

Nach der Pause wurde dieser Druck belohnt.

Marius Wörl traf in der 59. Minute aus rund 25 Metern zum 1:1.

Spätestens danach war der Darmstädter Abend wieder gefährlich nah am bekannten Muster.

Frühe Hoffnung.

Dann weniger Kontrolle.

Dann ein Gegentor.

Und beinahe noch mehr.

Joel Grodowski hatte in der 73. Minute sogar eine große Gelegenheit, Bielefeld in Führung zu bringen. Hätte Arminia diese Chance genutzt, hätte sich die Stimmung am Böllenfalltor wahrscheinlich komplett gedreht.

Genau deshalb sollte das 2:1 nicht darüber hinwegtäuschen, dass Darmstadt weiterhin Arbeit vor sich hat.

Dieser Sieg löst nicht alle Probleme.

Aber er verändert die Ausgangslage.

Smit übernimmt Verantwortung, als der Druck am größten ist

In der Schlussphase bekam Darmstadt noch eine Gelegenheit.

Nach einem Handspiel von Leon Jensen entschied der Schiedsrichter auf Strafstoß.

Milan Smit nahm den Ball.

  1. Minute.

Eine Mannschaft wartet auf ihren ersten Saisonsieg. Das Stadion wartet. Jeder weiß, was dieser Elfmeter bedeutet.

Smit verwandelte.

2:1.

Der 23-jährige Niederländer war erst im August auf Leihbasis von Stoke City nach Darmstadt gekommen. Der Verein hatte bei seiner Verpflichtung besonders seine Bewegungen in die Tiefe und seine Abschlussqualität hervorgehoben. Gegen Bielefeld zeigte er nun eine andere Eigenschaft: Nervenstärke.

Dass ausgerechnet zwei neue Stürmer die entscheidenden Tore erzielten, ist für Darmstadt zusätzlich interessant.

Lee brachte die Mannschaft früh in Führung.

Smit rettete sie spät.

Nach Wochen, in denen die Offensive praktisch nicht existierte, liefern plötzlich zwei neue Angreifer den ersten Sieg.

Dieser Sieg verändert vor allem den Kopf

Vier Punkte aus fünf Spielen sind noch keine gute Bilanz.

Darmstadt ist durch einen 2:1-Heimsieg nicht plötzlich ein Kandidat für die obere Tabellenhälfte geworden.

Aber Fußball funktioniert nicht ausschließlich über Tabellenstände.

Eine Mannschaft, die drei Spiele hintereinander verliert und dabei kein Tor erzielt, beginnt irgendwann an einfachen Dingen zu zweifeln.

Ein Fehlpass wird größer.

Ein Gegentor fühlt sich schwerer an.

Eine vergebene Chance verstärkt die Unsicherheit.

Der erste Sieg kann deshalb psychologisch deutlich mehr verändern als die drei Punkte allein.

Darmstadt hat erlebt, dass eine Führung wieder zu einem Sieg führen kann.

Die Mannschaft hat nach dem 1:1 nicht komplett die Kontrolle verloren.

Und sie hat in der Schlussphase eine Situation genutzt, statt selbst wieder den entscheidenden Fehler zu machen.

Das klingt selbstverständlich.

Für eine Mannschaft in einer Negativserie ist es das nicht.

Kohfeldt bekommt vor allem Zeit

Auch für Florian Kohfeldt ist der Sieg enorm wichtig.

Vor dem Spiel stand der Trainer bereits deutlich unter Druck. Darmstadt war Tabellenletzter, die Offensive funktionierte nicht und nach dem 0:3 in Kaiserslautern war die Stimmung endgültig angespannt.

Ein weiteres siegloses Wochenende hätte die Diskussionen verschärft.

Das 2:1 verschafft Kohfeldt nun etwas, das Trainer in solchen Phasen dringend brauchen:

Zeit.

Zeit, um Lee weiter einzubauen.

Zeit, um Smit stärker zu integrieren.

Zeit, um die defensive Stabilität zu verbessern.

Und Zeit, um aus einer Mannschaft, die bislang fast nur auf Rückschläge reagieren musste, wieder ein Team mit Selbstvertrauen zu machen.

Befreiungsschlag ja, Trendwende noch nicht

Darmstadt sollte diesen Abend deshalb weder kleinreden noch überbewerten.

Der erste Sieg ist ein Befreiungsschlag.

Aber noch keine Trendwende.

Dafür war Bielefeld über längere Phasen zu gefährlich. Dafür hatte Darmstadt nach der frühen Führung zu wenig Kontrolle. Und dafür sind vier Punkte nach fünf Spieltagen weiterhin zu wenig für einen Verein, der mit ganz anderen Erwartungen in die Saison gegangen war.

Trotzdem fühlt sich die Lage jetzt komplett anders an.

Vor dem Spiel wartete Darmstadt auf den ersten Sieg.

Jetzt kann die Mannschaft zum ersten Mal auf etwas aufbauen.

Ho-Jae Lee hat getroffen. Milan Smit hat Verantwortung übernommen. Die Negativserie ist beendet. Und Darmstadt hat den letzten Tabellenplatz zumindest vorerst verlassen.

Der wichtigste Satz dieses Abends lautet deshalb nicht:

Darmstadt hat drei Punkte geholt.

Sondern:

Darmstadt weiß wieder, wie sich Gewinnen anfühlt.