„Wie ein Musikverein“: Jetzt eskaliert Dynamos Krise auch neben dem Platz
Bei Dynamo Dresden läuft derzeit wenig zusammen. Sportlich steckt die Mannschaft mit nur vier Punkten aus sechs Spielen tief im Tabellenkeller der 2. Bundesliga. Nun sorgt auch abseits des Rasens ein interner Machtkampf für neue Unruhe.
Im Mittelpunkt steht Aufsichtsratsmitglied Thomas Blümel. Der Ehrenrat von Dynamo Dresden hatte den 61-Jährigen Anfang September aus dem Aufsichtsrat entfernt und zugleich befristet aus dem Verein ausgeschlossen. Begründet wurde die Entscheidung mit einem angeblichen Verstoß gegen Sorgfalts- und Treuepflichten.
Thomas Blümel ging juristisch dagegen vor – und bekam erneut Recht.
Landgericht bestätigt Entscheidung zugunsten von Thomas Blümel
Bereits Mitte September hatte das Landgericht Dresden den Beschluss des Ehrenrats vorläufig außer Kraft gesetzt. Thomas Blümel erhielt dadurch seine Mitgliedsrechte und seinen Platz im Aufsichtsrat zunächst zurück.
Dynamo akzeptierte diese Entscheidung nicht und legte Widerspruch ein.
Nun kam es zur mündlichen Verhandlung. Das Ergebnis ist für den Verein erneut unangenehm: Das Gericht bestätigte seine bisherige Entscheidung.
Thomas Blümel darf damit vorerst weiterhin als Aufsichtsratsmitglied tätig sein.
Besonders brisant war dabei die deutliche Kritik von Richter Norbert Bahr. Der Umgang mit vereinsinternen Verfahren sorgte während der Verhandlung offenbar für erhebliches Unverständnis. Seine zugespitzte Bemerkung, Dynamo werde teilweise wie ein „Musikverein von Buxtehude“ geführt, dürfte innerhalb des Vereins noch länger nachhallen.
Der Konflikt dreht sich um angeblich weitergegebene Interna
Ausgangspunkt des Streits sind Vorwürfe, Thomas Blümel habe vertrauliche Vereinsinformationen an Dritte weitergegeben.
Der Ehrenrat sah darin einen Pflichtverstoß und verhängte weitreichende Konsequenzen. Thomas Blümel weist die Vorwürfe zurück.
Die juristische Auseinandersetzung zeigt inzwischen jedoch, dass zumindest die Art des vereinsinternen Vorgehens erhebliche Fragen aufwirft.
Für Dynamo Dresden ist das besonders problematisch, weil sich der Konflikt längst nicht mehr hinter verschlossenen Türen abspielt. Stattdessen entstehen Schlagzeilen, Gerichtskosten und eine öffentliche Diskussion über die Führung des Vereins.
Sportliche Krise macht die Situation noch schwieriger
Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein.
Trainer Thomas Stamm benötigt eigentlich Ruhe, um die sportlichen Probleme zu lösen. Dynamo Dresden hat aus sechs Zweitliga-Spielen lediglich vier Punkte geholt und bereits 14 Gegentore kassiert.
Auch das 0:2 im Test gegen Teplice brachte während der Länderspielpause keine echte Entlastung.
Vor dem wichtigen Auswärtsspiel beim VfL Osnabrück müsste sich eigentlich alles auf Fußball konzentrieren. Stattdessen beschäftigt sich der Verein parallel mit einem internen Konflikt, der inzwischen vor Gericht ausgetragen wird.
Dynamo braucht schnell wieder Ruhe
Noch ist nicht klar, wie lange die Auseinandersetzung um Thomas Blümel weitergeht. Klar ist jedoch, dass Dynamo Dresden momentan gleich auf mehreren Ebenen unter Druck steht.
Auf dem Platz fehlen Punkte, neben dem Platz fehlt Ruhe.
Genau diese Kombination macht die aktuelle Situation gefährlich. Eine sportliche Krise lässt sich leichter bewältigen, wenn ein Verein geschlossen arbeitet. Bei Dynamo entsteht derzeit jedoch der gegenteilige Eindruck.
Die kommenden Wochen werden deshalb nicht nur für Thomas Stamm und seine Mannschaft wichtig. Auch die Vereinsführung muss zeigen, dass sie den internen Streit endlich in geordnete Bahnen bekommt.


