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Nur 700 Hertha-Fans: Ostkurve boykottiert Dresden

September 17, 2026 · KlausHuber
Hertha-Fans im teilweise leeren Gästeblock bei einem Abendspiel in Dresden

Nur 700 Hertha-Fans in Dresden: Warum die Ostkurve das Topspiel boykottiert

Hertha BSC muss beim Zweitliga-Topspiel gegen Dynamo Dresden weitgehend ohne seine aktive Fanszene auskommen. Nur rund 700 Berliner Anhänger werden im Rudolf-Harbig-Stadion erwartet. Die Ostkurve boykottiert die Partie aus Protest gegen die vom DFB verhängten Auflagen.

Damit bleibt der Gästeblock bei einem der emotionalsten Duelle der 2. Bundesliga deutlich leerer als gewohnt. Beim vorherigen Gastspiel in Dresden hatten noch etwa 3.000 Hertha-Fans ihre Mannschaft begleitet.

Personalisierte Tickets und reduzierter Gästeblock

Für die Begegnung gelten besondere Sicherheitsvorgaben. Die Kapazität des Gästeblocks wurde auf maximal 50 Prozent begrenzt. Zudem werden die Eintrittskarten personalisiert ausgegeben.

Diese Maßnahmen sind Teil der Strafen, die nach den schweren Ausschreitungen beim letzten Aufeinandertreffen beschlossen wurden. Sie gelten auch für ein weiteres direktes Duell zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC.

Die aktive Berliner Fanszene lehnt diese Vorgaben ab. Teile der Ostkurve, darunter die Ultra-Gruppe Harlekins Berlin, riefen deshalb dazu auf, keine Karten für das Spiel in Dresden zu kaufen. Der Boykott richtet sich nach Darstellung der Fans gegen Kollektivstrafen, von denen auch Anhänger betroffen seien, die an den damaligen Vorfällen nicht beteiligt waren.

Ausschreitungen überschatten das letzte Duell

Beim Zweitligaspiel im April war es im Rudolf-Harbig-Stadion zu einer massiven Eskalation gekommen. Beide Fanlager zündeten Pyrotechnik, Personen überwanden Absperrungen und gelangten in den Innenraum. Auch der Diebstahl und das Verbrennen einer Hertha-Fahne verschärften die Situation.

Die Partie musste für rund 19 Minuten unterbrochen werden. Hertha gewann das Spiel zwar mit 1:0, doch das sportliche Ergebnis geriet angesichts der Vorfälle vollständig in den Hintergrund.

Das DFB-Sportgericht belegte Hertha BSC anschließend mit einer Geldstrafe von 152.000 Euro. Dynamo Dresden musste 91.200 Euro zahlen und einen Zuschauerteilausschluss hinnehmen. Beide Vereine wurden außerdem verpflichtet, für ihre nächsten direkten Duelle ein gemeinsames Sicherheitskonzept umzusetzen.

Hertha kritisiert die Kollektivstrafe

Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich hatte die Gewalt nach dem Spiel klar verurteilt. Vor dem erneuten Duell äußerte er jedoch Zweifel daran, ob Kollektivstrafen das richtige Mittel seien.

Görlich zeigte Verständnis für den Protest der Fans, bedauerte zugleich aber den fehlenden organisierten Support in Dresden. Der Verein versucht damit, zwei Positionen miteinander zu verbinden: eine klare Ablehnung von Gewalt und die Kritik an Maßnahmen, die den gesamten Gästeblock betreffen.

Ein Teil der Berliner Fans will das Wochenende offenbar nutzen, um stattdessen die U23 von Hertha BSC beim Regionalliga-Auswärtsspiel gegen den SV Babelsberg 03 zu unterstützen.

Leitl erwartet keine sportlichen Auswirkungen

Trainer Stefan Leitl sieht die Vorbereitung seiner Mannschaft durch den Boykott nicht beeinträchtigt. Für die Profis gehe es darum, sich vollständig auf das Spiel zu konzentrieren.

Trotzdem wird die besondere Atmosphäre im Gästeblock fehlen. Gerade bei einem emotionalen Abendspiel in Dresden ist die Unterstützung der aktiven Fanszene normalerweise ein wichtiger Faktor. Dieses Mal wird Hertha auf dem Platz weitgehend ohne die vertraute Kulisse der Ostkurve auskommen müssen.

Das Topspiel wird damit nicht nur sportlich interessant. Auch die Frage, welche Folgen die DFB-Sanktionen und der Fanboykott für die Stimmung im Stadion haben, rückt in den Mittelpunkt.