Hertha greift nach Platz eins: Berlin kann erstmals seit 2013 wieder Zweitliga-Spitzenreiter werden
Drei Spiele, drei Siege, 10:4 Tore: Hertha BSC hat einen nahezu perfekten Start in die neue Saison der 2. Bundesliga erwischt. Gegen den 1. FC Magdeburg bietet sich den Berlinern nun eine Chance, die es seit mehr als 13 Jahren nicht mehr gab. Mit einem weiteren Sieg würde Hertha den 1. FC Nürnberg überholen und erstmals seit Mai 2013 wieder an der Spitze der 2. Bundesliga stehen.
Nürnberg öffnet Hertha die Tür
Eigentlich war es Nürnberg, das nach drei Spieltagen das Tempo vorgab. Der FCN startete mit drei Siegen und 11:3 Toren, kam am Samstag bei Holstein Kiel jedoch nicht über ein 2:2 hinaus.
Nürnberg steht damit nach vier Partien bei zehn Punkten. Hertha folgt mit neun Zählern aus nur drei Spielen. Ein Sieg gegen Magdeburg würde die Berliner auf zwölf Punkte bringen und damit allein an die Tabellenspitze. Wolfsburg und Kaiserslautern folgen derzeit mit jeweils acht Punkten.
Das wäre mehr als nur eine schöne Momentaufnahme.
Denn zuletzt führte Hertha die Tabelle der 2. Bundesliga im Mai 2013 an. Damals beendeten die Berliner die Saison als Zweitliga-Meister und stiegen in die Bundesliga auf.
13 Jahre später könnte ausgerechnet am vierten Spieltag zumindest für einen Moment wieder ein ähnliches Bild entstehen.
Hertha spielt plötzlich wie ein Spitzenteam
Bemerkenswert ist dabei nicht nur die maximale Punkteausbeute.
Hertha hat in den ersten drei Ligaspielen bereits zehn Tore erzielt. So viele waren es nach drei Spieltagen im Profifußball zuletzt vor 59 Jahren nicht gewesen. Trainer Stefan Leitl sieht vor allem die veränderte Spielweise als Grund: mehr Aktivität, aggressiveres Pressing und mehr Mut beim frühen Anlaufen.
Die Resultate zeigen, wie unterschiedlich Hertha inzwischen gewinnen kann.
Zum Auftakt reichte beim VfL Bochum ein knappes 1:0. Gegen Heidenheim folgte ein deutliches 4:1. Und in Braunschweig zeigte Hertha zuletzt eine ganz andere Qualität.
Nach einem 0:2-Rückstand drehte Berlin die Partie noch zu einem spektakulären 5:3.
Es war Herthas erster Pflichtspielsieg nach einem Zwei-Tore-Rückstand seit 26 Jahren.
Genau solche Spiele verändern die Wahrnehmung einer Mannschaft.
Vor wenigen Wochen war Hertha ein ambitionierter Zweitligist mit offenem Ausgang. Nach drei Spieltagen ist die Frage plötzlich eine andere:
Wie ernst muss man Berlin im Aufstiegsrennen bereits nehmen?
Ausgerechnet Magdeburg ist der unangenehmste Gegner
So passend die Ausgangslage erscheint, so gefährlich ist der Gegner.
Denn Magdeburg gehörte in der vergangenen Saison zu Herthas größten Problemen.
Der FCM gewann beide Ligaspiele gegen Berlin, zunächst 2:0 im Olympiastadion und später 1:0 in Magdeburg. Hertha erzielte gegen keinen anderen Gegner der vergangenen Zweitliga-Saison überhaupt kein Tor.
Noch kurioser ist die Bilanz von Magdeburg-Trainer Petrik Sander.
Sander hat als Trainer bislang fünfmal gegen Hertha gespielt und alle fünf Begegnungen gewonnen. Zwei davon gelangen ihm mit Magdeburg in der vergangenen Saison.
Wenn Hertha also tatsächlich den nächsten Schritt machen möchte, bekommt die Mannschaft dafür einen ziemlich passenden Test.
Nicht gegen einen Gegner, der ohnehin am Boden liegt.
Sondern gegen genau jene Mannschaft, die Berlin zuletzt zweimal stoppen konnte.
Auch Magdeburg hat den Fehlstart längst korrigiert
Das 1:6 gegen Eintracht Braunschweig am ersten Spieltag ließ zunächst einen schwierigen Saisonstart für Magdeburg erwarten.
Die Reaktion war allerdings beeindruckend.
In der Liga gewann der FCM anschließend 3:0 in Osnabrück und 2:0 gegen Holstein Kiel. Rechnet man den Pokal hinzu, folgten auf das 1:6 drei Pflichtspielsiege mit insgesamt 9:0 Toren.
Damit treffen zwei der formstärksten Mannschaften der Liga aufeinander.
Hertha besitzt die beste Ausgangslage im Kampf um Platz eins. Magdeburg wiederum könnte mit einem weiteren Erfolg endgültig bestätigen, dass das 1:6 zum Auftakt lediglich ein Ausrutscher war.
Nilsson gibt Leitl noch eine neue Option
Zusätzliche Spannung bringt Herthas jüngster Transfer.
Gustaf Nilsson gehört gegen Magdeburg erstmals zum Kader. Der neu verpflichtete Mittelstürmer soll zunächst von der Bank kommen und Schritt für Schritt an die volle Belastung herangeführt werden.
Das ist für Hertha besonders deshalb interessant, weil die Offensive ohnehin schon funktioniert.
Josip Brekalo und die schnellen Berliner Offensivspieler haben Leitl in den ersten Wochen genügend Möglichkeiten gegeben. Mit dem 1,97 Meter großen Nilsson kommt nun zusätzlich ein klassischer Zielspieler hinzu.
Hertha verändert also nicht erst etwas, weil es schlecht läuft.
Der Kader bekommt mehr Möglichkeiten, obwohl die Mannschaft gerade ihre beste Phase erlebt.
Platz eins wäre ein Signal – aber noch keine Antwort
Natürlich entscheidet der vierte Spieltag keine Saison.
Zwölf Punkte würden Hertha weder zum Aufsteiger noch automatisch zum großen Favoriten machen.
Aber Tabellenführung besitzt in dieser Situation trotzdem Bedeutung.
Nach mehreren enttäuschenden Zweitliga-Jahren wäre es erstmals wieder ein sichtbares Signal, dass sich in Berlin tatsächlich etwas verändert haben könnte.
Drei Siege waren ein Traumstart.
Ein vierter Sieg würde daraus erstmals seit 2013 wieder Platz eins machen.
Und ausgerechnet Magdeburg, Herthas Angstgegner der vergangenen Saison, steht zwischen Berlin und dieser kleinen historischen Marke.


