Die Sehnsucht nach dem ersten Sieg: Wie groß ist der Druck bei Holstein Kiel?
Holstein Kiel steht vor dem sechsten Spieltag dort, wo niemand die Mannschaft erwartet hatte: ganz unten. Fünf Ligaspiele, drei Punkte, kein Sieg. Saisonübergreifend wartet die KSV inzwischen sogar seit sieben Zweitliga-Partien auf einen Erfolg. Vor dem Heimspiel gegen Aufsteiger VfL Osnabrück wächst deshalb zwangsläufig der Druck – auch wenn Trainer Tim Walter intern weiterhin Ruhe verspürt.
Kiel spielt nicht wie ein typischer Tabellenletzter
Genau das macht die Situation kompliziert.
Holstein Kiel wirkt nicht wie eine Mannschaft, die komplett auseinanderfällt. Gegen Nürnberg holte Kiel ein 2:2, zuletzt verlor die KSV in Heidenheim nur 0:1 und musste dabei fast eine komplette Halbzeit nach der Gelb-Roten Karte für Jonas Therkelsen in Unterzahl spielen. Trotzdem steht am Ende wieder dieselbe Erkenntnis: ordentliche Phasen bringen zu wenig Punkte.
Das ist inzwischen das eigentliche Problem.
Kiel spielt häufig besser, als es der Tabellenplatz vermuten lässt. Aber irgendwann reicht es nicht mehr, nur auf Entwicklung und Spielqualität zu verweisen.
Walter will seinen Weg nicht verlassen
Tim Walter denkt trotzdem nicht daran, seine Idee zu verändern.
Der Trainer verteidigte vor dem Osnabrück-Spiel ausdrücklich den eingeschlagenen Weg. Seine junge Mannschaft dürfe Fehler machen, weil genau diese Fehler Teil der Entwicklung seien. Auch der letzte Tabellenplatz ist für Walter kein Grund, plötzlich auf einfacheren Fußball umzuschalten. Der Verein wolle diesen Weg gemeinsam gehen.
Das ist grundsätzlich nachvollziehbar.
Holstein Kiel versucht, junge Spieler weiterzuentwickeln und gleichzeitig einen klaren spielerischen Ansatz beizubehalten. Doch Entwicklung braucht irgendwann Ergebnisse, sonst wird aus Geduld schnell Druck.
Walter selbst räumt ein, dass mehr Punkte natürlich notwendig wären. Noch gibt es aber keine Anzeichen dafür, dass seine Position intern infrage gestellt wird.
Meffert spricht aus, was alle denken
Kapitän Jonas Meffert formulierte die Lage deutlich:
„Die Sehnsucht nach dem ersten Sieg ist groß.“
Gleichzeitig warnt er davor, jetzt nervös zu werden. Die Mannschaft müsse zusammenhalten, weiter konzentriert arbeiten und dürfe nicht beginnen, alles infrage zu stellen.
Genau diese Balance wird gegen Osnabrück entscheidend.
Die KSV braucht dringend einen Sieg, darf aber nicht so spielen, als müsse sie ihn in den ersten 20 Minuten erzwingen.
Offensive Verstärkung kommt zurück
Immerhin entspannt sich die Personallage.
Steven Skrzybski, Giorgi Kvilitaia und Andu Kelati sind wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen und könnten gegen Osnabrück zumindest wieder Optionen für den Spieltagskader sein. Für eine Mannschaft, die bislang offensiv zu selten konsequent genug war, kommt diese Verstärkung zum richtigen Zeitpunkt.
Osnabrück reist allerdings keineswegs als angenehmer Aufbaugegner an. Der Aufsteiger hat nach fünf Spielen sechs Punkte gesammelt, darunter Siege gegen Bochum und Braunschweig. Zuletzt verlor der VfL zwar 1:3 gegen Tabellenführer Hertha, der Saisonstart bleibt dennoch solide.
Wann wird aus Geduld ein Ergebnisproblem?
Holstein Kiel steht deshalb vor einem wichtigen Nachmittag.
Noch ist es zu früh, von einer echten Krise zu sprechen.
Aber fünf Spiele ohne Sieg, Tabellenplatz 18 und eine saisonübergreifende Serie von sieben Zweitliga-Partien ohne Erfolg lassen sich auch nicht dauerhaft mit Entwicklung erklären.
Walter hat die Rückendeckung des Vereins.
Die Spieler halten zusammen.
Die Qualität ist vorhanden.
Jetzt fehlt nur noch das, worüber im Fußball am Ende immer gesprochen wird: ein Sieg.


