„Zeit, Farbe zu bekennen“: Nordkurve richtet Stadion-Appell an die Stadt Nürnberg
Die Diskussion um den geplanten Vollumbau des Max-Morlock-Stadions bekommt neuen Schwung. Die Nordkurve Nürnberg hat sich in einem offenen Brief an den Nürnberger Stadtrat und die Stadt gewandt und fordert, den eingeschlagenen Weg beim Stadionprojekt konsequent weiterzugehen.
Aus Sicht der aktiven Fanszene bietet der Vollumbau deutlich mehr Chancen als Risiken. Gleichzeitig erinnert die Nordkurve an frühere Zusagen und daran, dass das Stadionprojekt über Jahre gemeinsam mit Stadt, Verein und Fans entwickelt wurde. Der Appell kommt in einer Phase, in der Nürnbergs angespannte Haushaltslage neue Zweifel am bisherigen Zeitplan ausgelöst hat.
Der Stadtrat hatte sich bereits klar positioniert
Eigentlich war das Stadionprojekt im Sommer einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Am 22. Juli stimmte der Nürnberger Stadtrat einstimmig für die sogenannte Vorzugsvariante.
Geplant ist ein Fußballstadion mit rund 50.000 Plätzen. Die Laufbahn soll verschwinden, die Tribünen näher an das Spielfeld rücken und die Bedingungen für Fans, Veranstaltungen und barrierefreie Stadionbesuche verbessert werden. Bis zum Jahresende sollen die Planung weiter konkretisiert, ein neuer Businessplan erstellt und die Grundlage für die europaweite Vergabe vorbereitet werden.
Auch die Nordkurve spielt in diesen Planungen eine wichtige Rolle. Für Heimspiele des FCN sind dort rund 15.000 Stehplätze vorgesehen. Bereits während der bisherigen Planungsphase wurden Wünsche aus der aktiven Fanszene in verschiedene Stadionkonzepte aufgenommen.
Finanzielle Lage sorgt für neue Unsicherheit
Inzwischen ist die Situation komplizierter geworden. Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König hält den Stadionumbau nach eigenen Aussagen weiterhin für notwendig, äußerte zuletzt jedoch Zweifel daran, dass der ursprünglich diskutierte Baustart 2028 realistisch bleibt.
Als Grund nannte König die schwierige finanzielle Lage der Stadt. Damit ist nicht automatisch das gesamte Stadionprojekt infrage gestellt, der bisherige Zeitplan könnte sich jedoch verschieben.
Genau an diesem Punkt setzt der offene Brief der Nordkurve an. Die Fanszene will verhindern, dass ein über Jahre entwickeltes Projekt durch die aktuelle Haushaltslage grundsätzlich ins Wanken gerät.
Ein Stadion, das deutlich näher am Fußball sein soll
Für viele FCN-Fans geht es beim geplanten Umbau nicht nur um eine Modernisierung der Infrastruktur.
Das heutige Max-Morlock-Stadion gehört zu den wenigen großen deutschen Stadien mit Laufbahn. Im neuen Konzept sollen die Tribünen näher an das Spielfeld rücken. Gleichzeitig soll die markante achteckige Form erhalten bleiben.
Die Stadt plant zudem größere Kioske und Sanitärbereiche, zusätzliche barrierefreie Plätze und modernisierte Hospitality-Flächen. Die historische Stadionwand soll in das neue Konzept integriert werden.
Auch der Zustand des bestehenden Stadions spielt eine Rolle. Teile der Tribünenkonstruktion sind inzwischen mehrere Jahrzehnte alt. Die Stadt investiert deshalb regelmäßig Geld, um das Stadion bis zu einem möglichen Vollumbau sicher und nutzbar zu halten.
Die entscheidende Phase kommt Ende des Jahres
Mit ihrem offenen Brief stellt sich die Nordkurve klar hinter den geplanten Vollumbau. Gleichzeitig erhöht sie öffentlich den Druck, die bisherigen Beschlüsse trotz der finanziellen Schwierigkeiten nicht wieder grundsätzlich infrage zu stellen.
Entschieden ist damit allerdings noch nicht, wann tatsächlich gebaut wird und wie die Finanzierung im Detail aussehen soll.
Bis Ende 2026 sollen weitere zentrale Grundlagen geschaffen werden. Danach wird sich zeigen, ob der geplante Vollumbau im vorgesehenen Umfang und Zeitrahmen umgesetzt werden kann.
Für den 1. FC Nürnberg und seine Anhänger bleibt das Stadionprojekt damit eines der wichtigsten Themen abseits des Spielfelds.


