Sandro Wagner übernimmt Hannover: Was sich bei 96 jetzt ändern soll
Hannover 96 hat nach dem schwachen Saisonstart einen klaren Schnitt gemacht. Sandro Wagner ist neuer Cheftrainer und hat am Montag seine erste Einheit mit der Mannschaft geleitet. Rund 500 Fans verfolgten das Training, bei dem der 38-Jährige bereits erste Schwerpunkte erkennen ließ. Der Zeitpunkt ist günstig: Nach dem 2:1 gegen Bochum geht Hannover mit einem Erfolgserlebnis in die neue Phase. Jetzt geht es darum, aus einzelnen guten Momenten wieder eine klare Spielidee zu formen.
Wagner will Hannover aktiver und klarer machen
Wagner hat bei seiner Vorstellung ziemlich deutlich beschrieben, wie er sich den Fußball seiner Mannschaft vorstellt.
Ballbesitz soll weiterhin eine Rolle spielen. Gleichzeitig fordert er mehr Aggressivität gegen den Ball, konsequenteres Gegenpressing und eine bessere Besetzung des gegnerischen Strafraums. Genau dort lag in den ersten Wochen ein Problem: Hannover hatte zwar immer wieder längere Ballbesitzphasen, daraus aber zu wenig echte Gefahr erzeugt. Nach sechs Spieltagen stehen erst sieben Ligatore zu Buche.
Das Ziel dürfte deshalb nicht sein, alles neu zu erfinden.
Wagner will eher klarer definieren, was nach Ballgewinn oder in längeren Angriffsphasen passieren soll.
Mehr Präsenz im Strafraum
Gerade die Offensive wird wahrscheinlich der wichtigste Ansatzpunkt.
In der vergangenen Saison erzielte Hannover 60 Tore und gehörte damit zu den stärksten Angriffsreihen der Liga. In dieser Spielzeit fehlt bislang die gleiche Wucht.
Wagner sprach bei seiner Vorstellung ausdrücklich davon, die Strafraumbesetzung „hochzufahren“.
Das klingt einfach, ist aber entscheidend.
Hannover hatte zuletzt oft Situationen, in denen der Ball ordentlich nach vorne getragen wurde, im Zentrum aber zu wenige Spieler nachrückten. Für Flanken, zweite Bälle oder Rückpässe fehlten dadurch Anspielstationen.
Genau dort dürfte Wagner ansetzen.
Gegen den Ball soll es aggressiver werden
Der zweite große Punkt ist die Arbeit ohne Ball.
Wagner will aktiver pressen und nach Ballverlusten schneller reagieren. In seiner Vorstellung betonte er, wie wichtig für ihn Gegenpressing und Aggressivität seien.
Das passt zu Hannover.
Der Kader besitzt genug dynamische Spieler, um hoch zu verteidigen. Bisher fehlte aber immer wieder die Abstimmung zwischen erster Pressinglinie und Mittelfeld. Wenn ein Gegner diesen ersten Druck überspielte, entstanden zu viele Räume.
Wagner wird deshalb weniger an der grundsätzlichen Idee ändern als an den Abständen und Abläufen.
Der Sieg gegen Bochum nimmt etwas Druck
Dass Hannover direkt vor Wagners Amtsantritt noch 2:1 gegen Bochum gewann, hilft enorm.
Nach nur einem Sieg aus den ersten fünf Ligaspielen war die Stimmung zunehmend unruhig geworden. Der Erfolg unter Interimstrainer Lars Barlemann brachte Hannover auf Rang zehn und verschafft Wagner etwas mehr Ruhe für die ersten Wochen. Wagner selbst bezeichnete die drei Punkte sowohl für die Tabelle als auch für das Gefühl vor der Pause als sehr wichtig.
Damit beginnt seine Arbeit nicht mitten in einer offenen Negativserie.
Das macht einen Unterschied.
Auch das Trainerteam wird neu aufgestellt
Mit Can Ünal bekommt Wagner zusätzlich einen neuen Co-Trainer. Der 28-Jährige kommt aus dem Nachwuchs des FC Bayern und komplettiert das bestehende Trainerteam mit Levent Sürme und Clemens Döring.
Das ist kein spektakulärer Name, aber ein interessanter Schritt.
Ünal gilt als detailorientierter Nachwuchstrainer und passt damit gut zu Wagners Ansatz, intensiv an Abläufen und individueller Entwicklung zu arbeiten.
Die Erwartungen bleiben hoch
Wagner hat einen Vertrag bis 2028 unterschrieben. Hannover wiederum ist inzwischen im achten Jahr in der 2. Bundesliga. Dass der Verein irgendwann wieder nach oben will, ist kein Geheimnis.
Genau deshalb ist diese Aufgabe interessant.
Wagner übernimmt keinen Kader, der komplett neu aufgebaut werden muss.
Er übernimmt eine Mannschaft, die Qualität besitzt, aber bislang zu wenig daraus gemacht hat.
Die erste Aufgabe lautet deshalb nicht, große Versprechen abzugeben.
Sie lautet viel einfacher:
Hannover muss wieder klarer, mutiger und gefährlicher spielen.
Wenn Wagner das schafft, könnte aus einem enttäuschenden Saisonstart noch eine interessante Spielzeit werden.


