247 Tage später: Hat Wolfsburg sein Heimproblem endlich gelöst?
Ein 5:1 sieht auf den ersten Blick nach einem normalen Kantersieg aus. Für den VfL Wolfsburg war das Ergebnis gegen Darmstadt 98 aber deutlich mehr. 247 Tage hatte der Verein auf einen Ligasieg in der Volkswagen Arena gewartet. Fast acht Monate, elf Pflichtspiele ohne Heimsieg und ein Problem, das längst nicht mehr nur statistischer Natur war. Gegen Darmstadt fiel diese Last endlich ab.
Der letzte Heimsieg lag noch in der Bundesliga
Man muss bis zum 14. Januar zurückgehen, um den vorherigen Wolfsburger Heimsieg zu finden. Damals schlug der VfL den FC St. Pauli mit 2:1 – noch in der Bundesliga.
Danach folgte eine ungewöhnlich lange Durststrecke. Selbst der Abstieg und der Neustart in der 2. Bundesliga änderten zunächst nichts daran.
Zum Saisonauftakt kam Wolfsburg zuhause gegen Kaiserslautern nicht über ein 0:0 hinaus. Gegen Aufsteiger Energie Cottbus wurde aus einer 3:0-Führung sogar noch ein wildes 4:4.
Auswärts sah die Mannschaft gleichzeitig deutlich überzeugender aus. Hannover wurde 1:0 geschlagen, Karlsruhe sogar 5:2. Das machte die Sache noch auffälliger: Wolfsburg konnte gewinnen – nur im eigenen Stadion nicht.
Darmstadt hätte den alten Zweifel zurückbringen können
Auch gegen Darmstadt verlief nicht alles problemlos.
Alexander Bernhardsson brachte Wolfsburg früh in Führung, Milan Smit glich jedoch aus. Kurz nach der Pause traf Patric Pfeiffer sogar beide Innenpfosten. Wäre dieser Ball zum 2:2 ins Tor gegangen, hätte sich in der Volkswagen Arena sehr schnell wieder dieses bekannte Gefühl breitmachen können.
Stattdessen blieb Wolfsburg ruhig.
Bernhardsson traf ein zweites Mal, Muhammed Damar legte nach und Robert Glatzel machte mit seinem zweiten Treffer den 5:1-Endstand perfekt.
Aus einem engen Spiel wurde innerhalb weniger Minuten ein klarer Sieg.
Reese zeigt, warum Wolfsburg offensiv so gefährlich sein kann
Eine wichtige Rolle spielte dabei Fabian Reese. Der Sommer-Neuzugang bereitete drei der fünf Wolfsburger Treffer vor und war immer wieder Ausgangspunkt gefährlicher Angriffe.
Mit Bernhardsson, Glatzel, Reese und Damar besitzt der VfL inzwischen mehrere Spieler, die ein Spiel entscheiden können. Das macht Wolfsburg offensiv schwer auszurechnen.
Gerade zuhause könnte diese Qualität wichtig werden. Gegen tief stehende Gegner reicht Tempo allein häufig nicht. Dann braucht es Spieler, die Räume finden, Flanken präzise bringen oder mit einer Einzelaktion eine kompakte Defensive öffnen.
Ein Sieg löst noch nicht das gesamte Heimproblem
Trotzdem wäre es zu früh, nach einem 5:1 sofort von einer endgültigen Trendwende zu sprechen.
Die 247 Tage ohne Heimsieg sind nicht entstanden, weil Wolfsburg ein paarmal Pech hatte. Über Monate fehlte im eigenen Stadion die Selbstverständlichkeit, enge Spiele auf die eigene Seite zu ziehen.
Genau deshalb wird erst die Fortsetzung zeigen, wie viel dieser Abend wirklich verändert hat.
Fühlt sich die Mannschaft zuhause künftig wieder sicherer? Bleibt sie ruhig, wenn ein Gegner lange die Null hält? Und kann die Volkswagen Arena wieder zu einem Vorteil werden statt zu einem Ort, an dem die nächste Enttäuschung erwartet wird?
Für den Aufstieg braucht Wolfsburg sein eigenes Stadion
Für ein Team mit Ambitionen im oberen Tabellenbereich ist die Rechnung einfach.
Auswärts gute Ergebnisse zu holen ist wertvoll. Dauerhaft oben bleibt aber kaum jemand, wenn zuhause zu viele Punkte liegen bleiben.
Das 5:1 gegen Darmstadt war deshalb nicht nur wegen der fünf Tore wichtig.
Wolfsburg hat eine Serie beendet, die langsam zur Belastung geworden war. Die Mannschaft hat nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich nicht gezittert und nach der Pause konsequent weitergespielt.
Ob der Heimfluch wirklich beendet ist, wissen wir erst nach den nächsten Spielen in der Volkswagen Arena. Aber nach 247 Tagen hat Wolfsburg zumindest endlich wieder erfahren, wie sich ein Heimsieg anfühlt.


